Ein Beitrag von mir, Bürgermeister und Elektromobilitäts-Pionier mit über 500.000 Kilometern Erfahrung.
Die Zukunft der Mobilität findet nicht nur in großen Städten statt – sie findet gerade hier bei uns im Waldviertel statt. Als Bürgermeister und jemand, der seit 15 Jahren elektrisch unterwegs ist, habe ich eines gelernt: Die Maßnahme von heute, ist die Lebensqualität von morgen. Das gilt nirgendwo so sehr wie bei der Umstellung auf saubere, intelligente Antriebe.
Für uns im ländlichen Raum ist E-Mobilität keine Einschränkung, sondern eine enorme Chance. Sie ist der Schlüssel zu mehr Unabhängigkeit, einer saubereren Umwelt und einer zukunftsfitten Region. Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, warum das so ist – und was jetzt zu tun ist.

Die großen Vorteile: Warum E-Mobilität perfekt ins Waldviertel passt
Unsere Region mit ihrer Ruhe und Natur verdient eine Mobilität, die zu ihr passt.
Ökologisch: Elektroautos fahren lokal emissionsfrei. Betrieben mit Ökostrom sind sie sogar klimaneutral. Und sie sind leise – sie bewahren die Stille unserer Wälder und Dörfer.
Ökonomisch: Die Betriebskosten sind massiv geringer. Strom ist günstiger als Benzin oder Diesel, der Antrieb verschleißt weniger und ist wartungsärmer. Hinzu kommen steuerliche Vorteile, die besonders für Unternehmen interessant sind.
Energiepolitisch: Jedes E-Auto, das mit selbst erzeugtem Strom von der heimischen Photovoltaikanlage lädt, reduziert unsere Abhängigkeit von Ölimporten. Es macht uns unabhängiger und stärkt die regionale Wertschöpfung.
Praktisch für den ländlichen Raum: Der größte Vorteil? Wir laden dort, wo das Auto sowieso die meiste Zeit steht: zu Hause oder am Arbeitsplatz. Kein Umweg zur Tankstelle, kein Warten. Dazu der hohe Fahrkomfort und die sofortige Kraftentfaltung – ideal für unsere Kurven und Hügel.
Die Herausforderungen: Das sind die Hürden für Unternehmen
Der Umstieg ist eine Investition in die Zukunft, die oft mit Unsicherheiten verbunden ist. Besonders Unternehmen stehen vor Fragen:
Hohe Anfangsinvestitionen: Die Anschaffung von E-Fahrzeugen und der Aufbau von Ladeinfrastruktur kosten zunächst Geld.
Netzanschluss: Alte Gebäude und Netze müssen oft verstärkt werden – das kann kostspielig sein.
Betriebliche Komplexität: Themen wie Lastmanagement, variable Stromtarife oder die Schulung von Mitarbeitern sind neu und müssen gelernt sein.
Wirtschaftliche Unsicherheiten: Die Abhängigkeit von Förderungen und die Frage nach dem Restwert der Batterie verunsichern viele.
Wegbrechende Serviceumsätze: Für Händler und Werkstätten verändert sich das Geschäftsmodell grundlegend.
Genau hier setzt meine Arbeit als Bürgermeister an. Denn aus diesen Herausforderungen erwachsen die Chancen, sich als Unternehmen und als Region neu zu positionieren.
Erfolgsfaktoren: So gelingt die Umstellung
Damit E-Mobilität zum Erfolg für alle wird, braucht es mehr als nur gute Autos. Diese Faktoren sind entscheidend:
Ladeinfrastruktur als Basis: Ohne Ladesäulen geht es nicht – zuhause, am Arbeitsplatz und ergänzend im öffentlichen Raum.
Intelligente Energievernetzung: Die Kopplung von Photovoltaik und E-Auto ist der Königsweg. Mit intelligentem Lastmanagement wird das Stromnetz entlastet und der selbst erzeugte Strom optimal genutzt.
Menschliche Akzeptanz: Die beste Technik nützt nichts, wenn die Menschen sie nicht annehmen. Hier helfen Aufklärung und vor allem die eigene Erfahrung am Steuer.
Klare politische Rahmenbedingungen: Unternehmen und Bürger brauchen Planungssicherheit. Nur so werden Investitionen getätigt.
Meine Rolle als Bürgermeister: Vorangehen und Vernetzen
Als Bürgermeister sehe ich mich in der Pflicht, diesen Wandel aktiv zu gestalten – nicht zu verwalten.
Vorbild sein: Mit einem elektrischen Gemeindebus und öffentlichen Ladepunkten zeigen wir, dass es funktioniert.
Den Rahmen setzen: Ich setze mich für Bauvorschriften mit Ladevorbereitung und vereinfachte Genehmigungsverfahren ein. Das ist eine meiner zentralen Forderungen an die Politik.
Vernetzer sein: Deshalb lade ich ein zum „Runden Tisch E-Mobilität“. Lassen Sie uns als lokale Unternehmen gemeinsam in die Zukunft schauen und Lösungen finden – von der gemeinsamen Nutzung von Ladeinfrastruktur bis zur gebündelten Beantragung von Fördermitteln.
Botschafter sein: Mein stärkstes Argument ist meine eigene Erfahrung. 15 Jahre und über 500.000 elektrisch gefahrene Kilometer sprechen für sich. Ich kenne die Technik, die Herausforderungen und vor allem die Freude am Fahren.
Die energiepolitische Kernbotschaft
E-Mobilität ist kein isoliertes Verkehrsthema. Sie ist das Herzstück der Energiewende. Ihr größter Nutzen entfaltet sich erst, wenn wir sie als Teil eines großen Ganzen begreifen:
Wenn wir Ökostrom laden.
Wenn wir die Ladezeiten intelligent steuern.
Und wenn unsere Elektroautos eines Tages als Speicher für unsere erneuerbaren Energien dienen (bidirektionales Laden).
Meine Empfehlung an Unternehmen
Steigen Sie ein – aber mit Köpfchen. Hier mein Fahrplan für einen erfolgreichen Start:
Schrittweise umstellen: Beginnen Sie mit einem oder zwei Pilotfahrzeugen. Sammeln Sie Erfahrung.
Flotte analysieren: Welche Fahrprofile haben Sie? Welche Fahrzeuge sind für welche Strecke am besten geeignet? Der ländliche Raum mit seinen kürzeren, aber hügeligen Strecken ist oft das ideale Einsatzgebiet.
Netzbetreiber frühzeitig einbinden: Klären Sie die Möglichkeiten des Netzanschlusses, bevor Sie investieren.
Mitarbeiter einbeziehen: Machen Sie Ihre Mitarbeiter zu Botschaftern. Beziehen Sie sie von Anfang an ein, fragen Sie nach ihren Erfahrungen und bilden Sie sie weiter.
Zentrale Erkenntnis:

Die Technologie ist reif. Jetzt geht es um Systemintegration, Infrastruktur und Akzeptanz. Als langjähriger Pionier und Bürgermeister ist es mir wichtig, diese Transformation in der Gemeinde/Bezirk und auf Landesebene pragmatisch voranzutreiben.
„Die Zukunft ist elektrisch – aber nur, wenn wir sie gemeinsam und intelligent gestalten.“
Hier ein aktuelles Zitat Bernd Vogl:
Wenn wir weiter auf das alte setzen, dann werden uns die Dinge von außen überfahren.
Die Maßnahmen, die wir heute setzen – der Aufbau von Infrastruktur, die Umstellung unserer Flotten, die Vernetzung vor Ort – sind die Grundlage für die Lebensqualität von morgen. Lassen Sie uns diese Chance gemeinsam nutzen. Für ein noch lebenswerteres Waldviertel.