Ein Gedanke zur Begriffsklärung.
Wenn ich in meiner Funktion als Bürgermeister oder als langjähriger Nutzer von Elektroautos unterwegs bin, höre ich oft einen Satz: „Das ist ja alles schön und gut, aber wir sind doch eher konservativ hier im Waldviertel.“ Dieses „aber“ sitzt tief. Es klingt nach einem Gegensatz. Nach Fortschritt hier und Bewahrung dort.
Ich möchte diesen Gedanken aufgreifen und einmal umdrehen. Denn ich bin überzeugt: Wer wirklich konservativ denkt, der muss heute für Erneuerung eintreten. Unser Motto „Die Maßnahme von heute, ist die Lebensqualität von morgen“ ist im Kern ein zutiefst konservatives Motto.
Was bedeutet „konservativ“ eigentlich?
Konservativ kommt von „bewahren“. Echte Konservative sind keine Verhinderer, sondern Hüter. Sie denken in Generationen, nicht in Quartalszahlen. Sie fragen nicht: „Was bringt mir das heute?“, sondern: „Was hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln?“ Sie schätzen Werte wie Heimat, Verlässlichkeit, Stabilität und Anstand. Sie wissen, dass Wohlstand und Lebensqualität nicht vom Himmel fallen, sondern erarbeitet und gepflegt werden müssen.
Und genau hier schließt sich der Kreis zur E-Mobilität, zur Energiewende und zu einer zukunftsfähigen Region.
Die neue Definition: Konservativ ist, wer das Bewahrenswerte erkennt – und dafür handelt.
Wenn wir unsere Heimat, das Waldviertel, mit seiner einzigartigen Natur, seiner Ruhe und seiner Lebensqualität bewahren wollen, dann müssen wir jetzt handeln. Denn was ist das größte Risiko für unsere Heimat?
· Ist es ein Solarmodul auf dem Dach? Nein.
· Ist es ein Elektroauto, das leise durch die Dörfer fährt? Nein.
· Ist es eine moderne Holzheizung, die regionale Wertschöpfung schafft? Nein.
Das größte Risiko für unsere Heimat ist der Stillstand. Es ist das Festhalten an Technologien von gestern, die unsere Lebensgrundlagen von morgen gefährden.
Eine wahrhaft konservative Haltung bedeutet für mich:
- Unabhängigkeit bewahren: Wer seine Energie selbst erzeugt (mit PV auf dem eigenen Dach), ist nicht abhängig von Öl-Diktaturen oder internationalen Energiekonzernen. Das ist Freiheit und Souveränität. Das ist bewahrenswert.
- Werte erhalten: Unser Waldviertel ist lebenswert, weil es sauber und ruhig ist. Die Elektromobilität bewahrt genau diese Werte: Sie ist lokal emissionsfrei und leise. Sie schützt, was uns lieb ist.
- Verantwortung übernehmen: Wir erben die Welt nicht von unseren Eltern, wir leihen sie von unseren Kindern. Verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, das Klima zu schützen und in erneuerbare Energien zu investieren – das ist die konservativste Haltung, die ich kenne.
- Heimat gestalten: Stillstand ist Rückschritt. Eine Region, die nicht in die Zukunft investiert, verliert ihre jungen Menschen, ihre Wirtschaftskraft und am Ende ihre Seele. Neue Technologien und moderne Infrastruktur sind kein Angriff auf die Heimat, sondern ihre Zukunftssicherung.
Die Synthese: Fortschritt als Bewahrung
Wir brauchen keine falsche Dichotomie zwischen „konservativ“ und „progressiv“. Wir brauchen eine Synthese. Wir brauchen einen Fortschritt, der bewahrt. Eine Erneuerung, die auf unseren Werten aufbaut.
Wenn ich mit meinem Elektroauto nach 500.000 Kilometern durch das Waldviertel fahre, dann tue ich das nicht, um gegen etwas zu sein. Ich tue es, für etwas: Für die Stille unserer Wälder, für die saubere Luft in unseren Orten, für die Unabhängigkeit unserer Gemeinde, für eine lebenswerte Zukunft.
Deshalb sage ich: Lassen Sie uns konservativ sein. Aber im besten Sinne des Wortes. Lassen Sie uns die Bewahrer sein, die heute handeln, damit das, was uns lieb und teuer ist, auch morgen noch Bestand hat.
Die Maßnahme von heute – die Nutzung erneuerbarer Energien, die Umstellung auf saubere Mobilität – ist die konservativste Entscheidung, die wir für die Lebensqualität von morgen treffen können.